Ich habe mich in den letzten Tagen mal ein bisschen durch die Foren zum Thema Wirtschaftswissenschaften gelesen. Dabei ist mir aufgefallen, dass insbesondere Studienanfänger regelrechte Angst vor bestimmten Fächern oder den Klausuren haben. Woran liegt das? Klar, WiWi ist eine Fachrichtung, in der extrem viel Leistung gefordert wird, die ständig durch Klausuren überprüft wird. Viele WiWi- und BWL-Studenten übernehmen nach ihrem Studium Positionen, in denen mehr Leistung als in anderen Positionen gefordert wird. Das Studium gewöhnt schon einmal daran. Aber soll man deswegen gleich Angst haben vor dem Studieren?
Beispiel: Wirtschaftsmathematik
Angst scheinen viele Newbies insbesondere vor dem Fach Wirtschaftsmathematik zu haben. Ich will Euch dazu mal was gestehen: Ich bin auch wegen Mathematik damals in der Oberstufe 11. Klasse vom Gymnasium gegangen. Ich habe es einfach nicht gepackt und hatte das erste Grundkurs-Halbjahr mit 5 oder 6 abgeschlossen. Trotz vorläufigen Abbruchs wollte ich unbedingt ein Abi, das ich dann in 100 % Alleingang auf dem zweiten Bildungsweg absolviert habe, neben dem Zivildienst. Das hieß für mich auch: völlig alleine auf drei Jahre Oberstufen-Mathematik vorbereiten. Und ich habe es geschafft - ich hatte nach einer Weile sogar Freude am Rechnen *lol* (so war es übrigens auch mit Musik - Musik war eines meiner „Hassfächer“, später habe ich autodidaktisch gelernt, klassische Gitarre und Westerngitarre zu spielen). Mehr zu meinem Abi und zu Mathe habe ich auch hier geschrieben: Erfahrungsbericht: Abi auf dem 2. Bildungsweg.
Das sind meine Voraussetzungen für Wirtschaftsmathe: Mathe war immer mein schlechtestes Fach, das Abi liegt Jahre zurück, die Kenntnisse sind versickert in den Tiefen meines Hirns. Ich muss also jetzt alles nachholen. Die ersten Formeln in den E-BWL-Readern sind derzeit für mich böhmische Dörfer. Aber ich freue mich drauf, mal wieder ein bisschen meine Konzentration zu trainieren. Denn verstehen werde ich alles: Wenn ich nur will. Mathe ist nichts weiter als völlig logisches und abstraktes Denken, da braucht man keine Angst vor zu haben, nur weil man früher kein Interesse daran und schlechte Lehrer hatte.
Angstlernen vs. Lernen aus Interesse
Wer schon mit dieser Einstellung an das Mathelernen rangeht, wird wohl eher wenig Erfolg haben. Wofür habt Ihr denn konkret Angst? Davor, etwas nicht zu verstehen? Leute, Ihr seid gebildet, habt einen Verstand und über viele Jahre gelernt, den einzusetzen. Wenn Ihr etwas nicht versteht, dann müsst ihr einen Schritt zurück und die Voraussetzungen verstehen.
Oder habt Ihr Angst, durch die Prüfung zu rauschen? Und wenn schon - das beweist doch nur, dass Ihr es nicht ausreichend verstanden habt - was soll den passieren, wenn man die Prüfung nicht besteht? Dann wiederholt man sie später, mit sicheren Kenntnissen. Aber man wird doch nicht standesrechtlich erschossen vom BWL-Erschießungskommando, nur weil man eine Prüfung nicht besteht. Mathe ist vor allem Übung, Übung, Übung. Wer durchrauscht, hat sich halt überschätzt und einfach nicht genug geübt.
Mathematik ist nicht ohne Grund Teil des WiWi-Studiums. Glaubt mir, dass vieles einfacher wird, wenn Ihr das akzeptiert und hinnehmt, dass ihr mit WiWi auch ein Stück Mathematik-Studium gewählt habt. Für waschechte Mathematiker ist der Stoff im WiWi-Studium sowieso pillepalle und Kinderkram.
Das sagt sich so einfach ...
Klar, ich sage das hier jetzt so einfach, nach der Art: Ey, macht Euch mal locker
Ich sage das aber auch aus einer, wie ich finde, privilegierten Position. Das Privileg ergibt sich aus verschiedenen Faktoren:
- Ich weiß, dass ich alles verstehen kann, wenn ich es nur wirklich verstehen will.
- Ich mache mir nichts aus den Noten. Ich muss das Studium nicht mit 1,0 bestehen, denn ich studiere es wirklich aus reinem Interesse.
- Ich mache mir nichts aus dem Abschluss. Zugegeben, einen B.Sc. strebe ich an, hauptsächlich aber deswegen, weil ich danach einen weiterbildenden Master in einer Geisteswissenschaft belegen möchte. Viele brauchen den Abschluss, um Karrierechancen zu verbessern und haben Angst, dass es ohne Abschluss nichts wird, mit dem schönen Leben. Das sehe ich nicht so.
Gemäß Minimalprinzip
sieht es also bei mir so aus. Das Ziel ist ein Abschluss in WiWi. Wie schaffe ich es, diesen Abschluss mit Einsatz möglichst geringen Aufwands zu erreichen. Für das Ziel „Wissenserlangung“ wende ich das Maximalprinzip an: Wie schaffe ich es, mit den begrenzten Mitteln meines Verstandes, innerhalb der nächsten Jahre soviel Wissen und Erfahrung wie möglich zu erwerben.
Ich werde für die Klausuren also nicht mehr lernen, als nötig ist, um irgendwie zu bestehen und durchzukommen. Gleichzeitig werde ich mich möglichst umfangreich mit allen Themengebieten der Ökonomie, die mich interessieren, beschäftigen. BWL interessiert mich als Selbstständigen aus praktischen Gründen, VWL interessiert mich als Geschichts- und Gesellschaftswissenschafts-Studi. Der Abschluss ist für mich eher ein notwendiges Übel. Im Vordergrund steht das Interesse am Fach - nicht nur an BWL, sondern auch an gesamtwirtschaftlichen Zusammenhängen und Handwerkszeug wie Mathematik.
Nun weiß ich, dass nicht jeder die Privilegien wie ich genießen kann oder will oder sie geschweige denn überhaupt als Privilegien empfindet. Letztendlich muss es jeder mit sich selbst ausmachen - welche Strategie erfolgreicher ist, wird sich zeigen.
Wider die Prüfungsangst
Hier ein paar Tipps für alle, die hin und wieder Angst vor Prüfungen oder beim Studium haben:
- Eine gesunde Angst vor Klausuren und Prüfungen gehört natürlich zur Sache dazu, weil sie die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit noch einmal steigert, weil Adrenalin ausgeschüttet wird, das die Leistungsfähigkeit steigert usw.
- Ungünstig ist eher die chronische Angst, die oft zu Lähmungen und Verdrängung führt. Akzeptiert die Angst, fragt Euch, woher sie kommt und was ihr dagegen machen könnt. Verdrängung ist meist eine sehr ineffiziente Strategie, um gegen Ängste anzukämpfen. Die beste Strategie im Studium ist es: Lernen, und zwar mit Spaß und Interesse.
- Angst und Panik sind zwei Dinge. Panik ist Angst, die sich stark auf körperlicher Ebene abspielt: Herzrasen, Schweißausbrüche usw. Chronische Angst führt auf Dauer auch zu ungünstigen körperlichen Beschwerden, die sich auf die Lernfähigkeit auswirken. Auch hier gilt: Das Übel an der Wurzel packen, sich die Angst eingestehen und aktiv dagegen anarbeiten. Sport und Entspannung unterstützen übrigens dabei, gegen chronische Angst anzukämpfen.
Ich denke, dass ich mit diesen Tipps kaum jemandem etwas Neues sage, aber es ist doch sicher hilfreich, sich das öfter mal ins Gedächtnis zurückzurufen. Ruft mir per Kommentar weitere Tipps zu, die füge ich dann hier ggf. ein.
So, jetzt ans entspannte Studieren mit Spaß an der Sache 
Ach so: Wie geht Ihr damit um, mit dem Bammel vor Klaursuren oder Fächern? Oder kennt Ihr das gar nicht?
Nachtrag 26.10.: Da der Artikel hier doch öfter als erwartet aufgerufen wird, habe ich im Forum für Studienberatung ein eigenes Thema eröffnet, auf dem sich Verunsicherte (natürlich auch anonym) Rat holen können. Sich Ängste einzugestehen ist immer der erste wichtige Schritt, sie zu lösen. Hier geht es zum Thema Studienängste.
Kommentare (3)
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ich hab deinen Blog gerade durch Zufall per google entdeckt und ich muss sagen, dass du mir gerade sehr viel Mut gemacht hast.
Diese Woche hat mein Mathevorbereitungskurs begonnen und ich hab mich schon gefragt ob ich mich nicht doch mit der Wahl des Faches übernommen habe wegen dem ganzen Mathe-Gedöns aber nun bin ich wieder frohen Mutes.
Unbekannterweise Danke an dieser Stelle :)
Gruß,
die K.
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freue mich, dass der Artikel ein bisschen motiviert. Das mit dem Mathe-Gedöns geht sicher schnell wieder vorbei, wenn man es einmal intus hat. Falls Du Fragen hast oder was nicht verstehst, schau einfach öfter mal hier vorbei, gemeinsam lernt es sich doch besser
Grüße
Christian
Edit: Im Forum Studienberatung findet sich jetzt ein Thread zum Thema, in dem Strategien gesammelt werden können, um mit Studienängsten besser umzugehen: http://www.wiwiclub.de/f...udienangst
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Das hatte einen sehr großen Nutzen, denn wer keine Angst vor dem Säbelzahntiger hatte, von dem stammen wir nicht ab. Wer nicht erlernte, was Gefahr ist, konnte keine Nachkommen in die Welt setzen.
Hingegen müssen wir heute das positive Lernen nutzen, denn wer mit Angst lernt, der wird immer das Wissen auch mit Angst benutzen. Ergo wird man später sehr viel Angst im Beruf bekommen oder erleben. Angst bedeutet, dass man es meidet, weil es gefährlich ist.
Was wir brauchen sind positive Empfindungen bei dem was wir tun und lernen! Nur wenn man positive Gedanken entwickelt, all das Schöne und Nützliche sieht, wird man richtig gut und auch erfolgreich sein.
Wer in der Prüfung das Wissen abruft, der ruft Angst hervor, wenn man mit Angst gelernt hat. Wer schon mit Spaß an der Sache war, der wird auch seine Freude an der Prüfung haben! :-)

