Vorlesungen

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Vorlesungen waren für mich immer das Beste am Studieren, besser als Seminare und Übungen und alles andere. Ich habe schon einige Vorlesungen und Vorlesungsreihen in meinem Leben als Studi besucht, manche waren fantastisch, manche waren gut, manche schlecht. Die grottenschlechten habe ich meist nicht öfter als ein Mal besucht.

Wiwi-VorlesungBei Vorlesungen kam es mir meist weniger auf den Stoff an. Den hätte ich zuhause meist schneller erarbeitet, sicher in einem Zehntel der Vorlesungszeit. Wobei man den Stoff sicher noch viel besser verinnerlicht, wenn er an die vielen Eindrücke einer Vorlesung gekoppelt wird. Was mir am wichtigsten an den Vorlesungen ist, sind die Persönlichkeiten, die Profs und Dozenten, die die Vorlesungen abhalten.

Ich errinnere mich noch sehr gut an meine ersten ersten Vorlesungen im ersten Semester vor vielen Jahren. Die Vorlesungssääle der Uni Göttingen waren mit grünem Teppich ausgelegt, manche waren sehr geräumig, manche sehr eng, manche sehr leer, manche überfüllt. Die Tischchen an den Plätzen waren herausklappbar und oft voll mit Kritzeleien gelangweilter Studenten. Auf der Ablage unter den Tischen lagen oft Rest von Papier & Verpackungen, die Studenten vor mir hinterlassen hatten. Wer die Uni Göttingen kennt, weiß, dass die Vorlesungssääle teilweise Bunkern ohne Fenstern gleichen. Auf der einen Seite bedrückend, auf der anderen Seite gefiel mir dies, weil es den Eindruck vermittelte, dass das vermittelte Wissen nur durch die Köpfe der Studis wieder in die Welt getragen wird. Durch die grünen Teppiche und den Mangel an Fenstern hatten die Sääle auch eine ganz besondere gedämpfte Akustik, die manche Profs dazu veranlasste, Mikros zu nutzen, und andere, die stärker auf der Brust waren, ihre Stimmen voll auszureizen. Dass der Klang nicht hallte, hatte irgendwie etwas Persönliches.

Eine der ersten Vorlesungen hatte ich bei Prof. Schubert, Professor für mittelalterliche Geschichte und, wenn ich recht erinnere, Direktor des Instituts für Geschichte. Prof. Schubert war ein ganzer Kerl alter Schule. Er stand kurz vor der Emeritierung und hatte Jahrzehnte der Forschung für die mittelalterliche Geschichte hinter sich. Er war ein Rhetor durch und durch, aber dezent, nicht aufdringlich, mit einer äußerst angenehmen Stimme, durch die, trotz oder wegen seines Alter, immer eine unglaubliche Begeisterung für die Geschichte mitschwang. Das war auch der Grund, warum die Vorlesungen stark von Studierenden in seinem Alter besucht wurden, die nicht nur Geschichte interessierte, sondern die ihn reden hören wollten. Für viele Studis in meinem Alter war er wahrscheinlich zu langweilig - auch für die mittelalterliche Geschichte muss man sich erst einmal erwärmen.

Von solchen Persönlichkeiten wurde ich im Verlauf vieler Vorlesungen geprägt. Ich war nie einer von den klausurfixierten Studenten, die jeden noch so unsinnigen Satz mitschrieben, ohne darüber nachzudenken, sondern arbeitete Stoff dann oft zuhause einfach nach, wenn es sein musste. Wie gesagt, wenn es nur um den Stoff geht: Da lernt es sich zuhause schneller und effizienter. Deswegen habe ich auch keine Vorlesungen besucht, in denen der Dozent einfach ein vorgefertigtes Skript ablas, ohne mit seinen Studenten zu kommunizieren. Die hab ich gemieden, wann immer es möglich war.

Jedenfalls fehlen mir die Vorlesungen und ich bemitleide die Fernstudenten, die nie die Erfahrung der Vorlesungsatmopshäre machen können. Online-Vorlesungen sind zwar auch nett, aber nicht annähernd so gut wie richtige Vorlesungen. Weil mir die Vorlesungen fehlen - und auch zur Lernunterstützung - besuche ich nächstes Semester passende Vorlesungen an der HU. Vorausgesetzt natürlich, sie sind nicht zu voll, es gibt keine Anwesenheitskontrolle und ich werde nicht rausgeschmissen Wink

Ich habe die Vorlesungen bereits in den Belegungsplan eingetragen, aber zähle sie hier noch einmal im Einzelnen auf. Wirtschaftsmathematik werde ich voraussichtlich auf 2 Semester aufteilen, mein Abi liegt schon zu lange zurück (2003), da muss ich erst einmal viel auffrischen. Deswegen besuche ich jeden Dienstag ab 10 Uhr die Mathematik-I-Vorlesung der WiWi-Fakultät an der HU. Ich denke, dass nächstes Semester Mathe II angeboten wird, ideal. Danach habe ich 4 Stunden Pause, die ich zum Lernen in der Bibliothek nutzen kann. Ab 16 Uhr höre ich mir dann die Einführung in die Volkswirtschaftslehre an. Nächstes Semester wird sicherlich Einführung in die BWL angeboten, schade, aber nicht zu ändern. Mittwochs dann von 8 bis 10 Buchhaltung. Von 10 bis 12 höre ich dann die Vorlesung Deutsche und europäische Geschichte im Zeitalter der Höfe und Allianzen. Als alten Geschichtsstudenten und -Liebhaber wollte ich mir das nicht nehmen lassen Smile An 2 Tagen besuche ich also Vorlesungen, 2 Tage, die ich sicher auch zu meinen Studiertagen machen werde.

Ich hoffe, dass das auch alles so klappt. Vorlesungsstart an der HU ist der 14.10.

Ach ja, vom Studienzentrum Berlin werden übrigens auch Veranstaltungen angeboten, z. B. ein Studientag Mathe Ende Oktober. Mehr Infos dazu finden sich auf der Website der FUH.

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