Wiwi-WS FernUni Hagen - Zwischenstand

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Hallo, da ich ein paar Tage nicht geschrieben habe, möchte ich allen Interessierten hier den Zwischenstand des aktuellen Wiwi-Semesters an der FernUni veröffentlichen.

Vorher aber noch ein paar allgemeinere Sätze. Zum einen möchte ich hier kundtun, dass ich voll hinter den Protesten stehe, wenn mir auch dieses plakative „Die Uni brennt“ überhaupt nicht gefällt. Wo wir mit billigen Parolen hinkommen, hat nicht nur das vergangene Jahrhundert eindrücklich gezeigt, Zeitungen wie die BILD zeigen es auch noch Tag für Tag.

Der Bachelorstudiengang Wirtschaftswissenschaften der FernUni zeigt mir auch deutlich, dass es wirklich Zeit ist, zurückzurudern oder auch viel weiter nach vorne. Vor allem wird mir das deutlich, wenn ich mit dem Studiensystem vergleiche, in dem ich begann zu studieren.

Mein erstes Studienfach war neben Mittelalterlicher, Neuerer und Neuester Geschichte die Philosophie (Magister). Alles ganz unmodularisiert. Von Philosophie-Studenten erzählt man ja gerne, dass sie am längsten studieren. So ist es, und so ist es auch richtig. Im Herzen bin ich immer noch Philosophie-Student wie eh und je. Die Freiheit, zu studieren, wie ich will, zu studieren was ich will, zu studieren wie lange ich will, nehme ich mir immer noch heraus.

Das reflektiert auch das momentane Semester. Auf Klausuren verzichte ich dieses Semester, damit auch auf die Einsendeaufgaben. Ich beschäftige mich auch nicht nach Plan mit dem Stoff, sondern reiße alles ein wenig an und versuche erst einmal die Grundbegriffe und entferntere Grundlagen zu erkunden. Kein hektisches Gelerne für die Klausuren, sondern entspannte Beschäftigung mit interessanten Themen.

So beschäftige ich mich ausführlich mit der Logik, diesmal aus einer etwas mehr mathematischen Perspektive. Ich habe übrigens eine Logikgruppe gegründet und würde mich über Teilnehmer freuen. Wer Lust hat, mit mir gemeinsam grundlegende Texte zu lesen (beginnend bei Aristoteles und den Antiken, über das Mittelalter und die Scholastik hin zu den modernen und auch zeitgenössischen Autoren), tritt der Lerngruppe Logik bei. Den roten Faden stelle ich gerne zur Verfügung. Sehr willkommen sind auch Wirtschaftsmathematiker, von deren noch analytischerem Denken die Gruppe nur profitieren kann.

Ich studiere also fleißig. Neben der Logik beschäftige ich mich mit Grundlagen der (Wirtschafts-)Mathematik, der Gründerszene und Unternehmensgründungen, die ich genauer unter die Lupe nehme, ansonsten mit BWL nur praktisch (die Reader bleiben noch zu) sowie mit VWL, ganz einführend und allgemein. Die Vorlesungen packe ich zeitlich nicht, musste sie also für dieses Semester streichen und durch Online-Vorlesungen ersetzten.

Soviel zum aktuellen Semester. Zum Schluss noch einmal mein Apell: Lasst Euch für Euer Studium Zeit, macht diesen Leistungswahn nicht auf eine ungesunde Art und Weise mit. Versucht wirklich mehr als nur einen Abschluss von der Uni/FH mitzunehmen. Und beteiligt Euch an der aktuellen Debatte, sachlich, aber wenn es sein muss, auch emotional. Amen!

Kommentare (4)

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Furby , 18.11.2009 15:34
Hm, für mich hört sich das alles etwas einfach an... wenn sich jeder "die Zeit zum Studieren" nehmen würde, dann gäbe es uns alle nicht mehr...
Auch ein Studium sollte mal sein Ende finden und damit meine ich nicht in 20 Jahren. Wenn man arbeitet und nebenbei als Hobby studiert, dann ist es ja ganz okay, aber bitte nicht aus Faulheit jahrelang studieren und uns allen auf der Tasche sitzen smilies/wink.gif
Christian

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Christian , 18.11.2009 21:13
Hallo Furby,

ich denke, die Entscheidung, wie lange ich studiere, liegt ganz bei mir. Oder ist das allgemein gültig, dass jedes Studium mal ein Ende finden sollte? Sehe ich z.B. nicht so, zumindest könnte ich mit gleicher Berechtigung behaupten, dass ein ernsthaftes Studium nicht in 6 Semestern absolviert werden kann.

Wen meinst Du mit "uns"? Ich glaube nicht, dass ich "dir" auf der Tasche liege. Als FernUni-Student bezahle ich nicht nur meine Studienmaterialien an die FernUni, sondern, wenn es sein muss, auch Studiengebühren (wobei ich mir noch nicht ganz sicher bin, ob die Uni diese Gebühren auch wert wäre).

"Studieren", das ist für mich übrigens nicht zwangsläufig mit Uni oder FH und einem ganz bestimmten Fach verbunden. Sondern eher mit "Wissenschaft" und der tieferen Beschäftigung mit bestimmten Themengebieten.

Und wen und warum gäbe es dann eigentlich nicht mehr, wenn sich nicht jeder so unter Druck setzen würde? Ich verlange von niemandem, so zu studieren, wie ich es bevorzuge, das ist schon recht "special", das weiß ich auch, eigentlich verlange ich gar nichts, sondern versuche nur zu zeigen, dass es auch anders geht.

Ich arbeite auch noch, und das nicht zu knapp und hauptsächlich, zahle kräftig Steuern, liege, ich also mir selbst auf der Tasche? smilies/cheesy.gif

Um es zusammenzufassen: Ich studiere weder aus Faulheit, noch als Hobby. Und auch nicht, um "Karriere" zu machen. Wie ist das bei Dir?
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Furby , 21.11.2009 10:50
Wenn es so ist, dann ist es auch in Ordnung, aber es gibt genug Leutchen, die einige Jahrzehnte (!!) studieren und es dann immer noch zu keinem einzigen Abschluss gebracht haben. Und von welchen Steuern werden sie dann finanziert, wenn nicht von "unseren"??
Die andere Geschichte ist: Was ist nach 20 Jahren Studium ein Bachlor in der Tasche, den man mit Ah und Krach geschafft hat, überhaupt wert? Ich finde NICHTS, wenn man sonst nichts ausweisen kann, was man 20 Jahre lang gemacht hat.

Ich studiere neben der Arbeit um mich "abzusichern", denn auch der beste Job kann in dieser Zeit verloren gehen... und dann ist es nicht einfach wieder einen "guten" Job zu finden.
Christian

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Christian , 21.11.2009 12:07
Ich verstehe Deine Perspektive. Meine ist ein bisschen anders.

Für mich hat der Abschluss keinen unmittelbaren ökonomischen Wert, da ich selbstständig bin und auch bleiben werde. Nahezu unbezahlbar ist für mich aber das Know-how, das ich aufbaue, das mich erst wirklich wettbewerbsfähig macht.

Aus der Perspektive ist ein langes, gründliches Studium für mich mehr wert als ein Bachelor in 6 Semestern. Es gibt niemanden, dem ich etwas nachweisen muss, mithilfe eines Abschlusses. Und wenn, dann weise ich meine Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen nach. Die kann eh keiner von einem Abschluss ablesen. Da das längere Studium für mich mit einem höheren wirtschaftlichen Wert verbunden ist, ist es das auch für die Volkswirtschaft (in meinem Fall zumindest).

Bei einem Angestelltenverhältnis, da stimme ich Dir zu, hat der Abschluss auch einen unmittelbaren ökonmischen Wert. Allerdings ist das von vielen Personalverantwortlichen aus meiner Perspektive zu kurz gegriffen.

Hier liegt auch einer der Fehler der Bologna-Reform. Weil man dem Abschluss einseitig ökonomischen Wert zuordnet und viele Faktoren beiseite lässt. Welcher Angestellte wird wohl mehr Wert im Unternehmen schöpfen? Der, der einen Bachelor in 6 Semestern gemacht hat, mit Ach und Krach durch die Klausuren ist und außer Auswendiggelerne nicht viel anderes im Studium erlebt hat? Oder der mit 10 Semester inkl. Praxis- und Urlaubssemester, der zum Teil seinen Neigungen nachgegangen ist und auch seine Persönlichkeit entwickelt hat?

So verhält es sich auch mit dem "Auf-der-Tasche-liegen". Ich stimme zu, es gibt wirklich welche, die sind faul. Aber ein großer Teil studiert aus anderen Gründen länger, viele fangen während des Studiums bereits an zu arbeiten und tun so etwas für die Volkswirtschaft.

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