Zeitmanagement für Fernstudenten
Abgelegt unter Studium am 12.10.2009 12:17
Zeitmanagement ist gerade für Fernstudenten ein wichtiges Thema, denke ich. Wer neben einem oder mehreren Berufen noch ein Studium absolviert, für das er nach seinem Arbeitstag in den Abendstunden lernen, und wer vielleicht sogar eine Familie hat, um die er sich kümmern muss, wird ohne eine gute Verteilung seiner Ressource „Zeit“ wohl nicht sehr weit kommen.
Das Ziel eines gutes Zeitmanagement ist es, möglichst viel Freizeit zur Verfügung zu haben, also Zeit, die frei von Verpflichtungen ist, und die man Familie, Freunden und Verwandten widmen kann. Ein gutes Zeitmanagement verhindert Stress, der dadurch entsteht, dass der Druck durch Aufgaben und Verpflichtungen immer größer wird, dass es keinen Ausgleich gibt und Arbeit und Freizeit immer mehr miteinander verschmelzen.
„Freizeit“, das ist irgendwie ein modernes Konzept, das immer in Relation zur „Arbeitszeit“ steht. Wie Wikipedia beschreibt, gibt es das Wort zwar schon seit dem Mittelalter (frey zeit), allerdings war da die Bedeutung noch etwas anders - anachronistisch vergleicht Wikipedia die freye zeit des Mittelalters mit einem modernen Tarifvertrag - so weit würde ich nicht gehen. Freye zeit war einfach die Zeit des so genannten Marktfriedens, die Sicherheit vor Gewalt und Störungen garantierte. Wer genau das wo garantierte und versuchte durchzusetzen, das steht im Artikel nicht, ich will es an dieser Stelle auch nicht weiter recherchieren.
Allerdings gab es bereits in griechischer und römischer Antike ein ähnliches Konzept. Das, was wir heute als Freizeit bezeichnen, war für die Römer z.B. die Muße, otium, die selbstverständlich aber vor allem der reichen Oberschicht von Adligen, Senatoren und Rittern (equites) vorbehalten war. Ohne diese Muße wäre wahrscheinlich auch ein großer Teil der herrlichen Literatur und Philosophie der Griechen und Römer nicht entstanden. Interessant ist übrigens auch, dass „Arbeit“ bei den Römern gewissermaßen die Negation der Muße ist: negotium, keine Muße.
Das Freizeit-Konzept, wie wir es kennen, entstand mit der Industrialisierung des 18. (England) und 19. Jahrhunderts, die auch dafür sorgte, dass die Arbeitszeit der Stadtbevölkerung erheblich anstiegt. Ich denke, dass auf dem Land die Arbeitsbelastung von Natur aus immer sehr hoch war und sich da nicht viel verändert hat. Im Adelung (Grammatisch-kritisches Wörterbuch der deutschen Mundart) findet das Wort Freizeit überhaupt keine Erwähnung, zumindest konnte ich es nicht entdecken. Im Deutschen Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm konnte ich keinen Eintrag für „Freizeit“ finden, allerdings 3 Erwähnungen, im Zusammenhang mit dem Wort „Wochenende“ und dem Wort Tummelstunde (Schulpause).
Ich persönlich konnte auch nie viel mit dem Begriff Freizeit anfangen. Das liegt einfach daran, dass ich meine Arbeit liebe und Arbeit und Lernen nicht als Arbeit bzw. Zwang empfinde. Oder angesagt: Auch „Freizeit“ ist für mich Arbeit. Ich habe das nie strikt voneinander getrennt. Und trotzdem - oder gerade deshalb - bin ich oft unter großem Druck und Stress, muss beruflich Deadlines einhalten und Dinge erledigen, denen ich mich kaum entziehen kann.
Das Fernstudium setzt da noch einen oben drauf. Allerdings erst, seit ich mich für das WiWi-Fernstudium entschieden habe, nämlich durch die Klausuren und Einsendeaufgaben, die ich erledigen muss, wenn ich irgendwann einmal einen Abschluss in den Händen halten will. Ein Teil des Studiums wird plötzlich zur Arbeit. In den Geisteswissenschaften ist das nicht ganz so, obwohl seit Bologna auch in den Geisteswissenschaften solche Tendenzen zu beobachten sind.
Die Frage lautet nun: Wie bringe ich all das unter einen Hut? Zwei Jobs, die mich sehr fordern, das verschulte Studium, das zum Teil zur Arbeit geworden ist, und Freizeit/Freunde/Familie? Ich habe vor ein paar Tagen eine gute Vorlesung zum Thema Zeit- und Selbstmanagement gesehen, die ich Euch hier auch nahelegen möchte. Die Vorlesung wird von Randy Pausch gehalten, Professor für Computer Sciene an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh, der 2008 an Bauchspeicheldrüsenkrebs verstorben ist. Das ist das Interessante an der Vorlesung, worauf er auch gleich zu Beginn eingeht, was die Vorlesung sehr authentisch macht: Wie schafft man es, die begrenzte Zeit, die einem das Leben bietet, wirklich effizient zu nutzen, wie sorgt man dafür, dass man möglichst viel Muse zur Verfügung hat?
Die Vorlesung geht 1,5 Stunden, aber es lohnt sich. Er gibt auch einen Haufen praktische Tipps, aber das ist sehr individuell, sein System muss sich letztendlich jeder selbst erstellen. Ich denke, diese Vorlesung ist sehr gut, um die Philosophie dahinter zu verstehen. Für die praktische Umsetzung kann man sich Literatur besorgen oder einfach sein Köpfchen nutzen. Schaut Euch die Vorlesung einfach einmal an:
Auf Google Video gibt es auch eine Version mit deutschen Untertiteln, ebenso eine Vorlesung von 1998, die ich mir aber noch nicht angeschaut habe. Praktische Tipps werde ich übrigens in einem späteren Beitrag hier veröffentlichen.
Wie macht Ihr das? Organisiert Ihr Eure Zeit oder lasst Ihr eher alles so auf zukommen, wie es eben kommt?

